Wenn es draußen früh dunkel wird, verändert sich auch der Blick auf das eigene Wohnumfeld. Wege, die tagsüber selbstverständlich wirken, fühlen sich abends manchmal anders an. Genau deshalb wurden im Schelmengraben zwei abendliche Rundgänge organisiert – um gemeinsam hinzuschauen, zuzuhören und dort anzusetzen, wo sich Menschen mehr Sicherheit wünschen. Ein wichtiger Begleiter beim zweiten Rundgang war Michael Miernik, der Schutzmann vor Ort. Seit rund anderthalb Jahren ist er für den Schelmengraben zuständig – und vielen im Quartier bereits bekannt.
Unterwegs im Viertel: Viele Eindrücke aus dem ersten Rundgang
Ende November fand der erste abendliche Rundgang durch den Schelmengraben statt, gemeinsam mit Bewohnerinnen und Bewohnern sowie Vertreterinnen und Vertretern des Quartiersrats, der GWH und der SEG. Rund 1,5 Stunden ging es durch das Quartier. Die Teilnehmenden zeigten Stellen, an denen sie sich mehr Licht, bessere Orientierung oder ein größeres Sicherheitsgefühl wünschen. Viele äußerten ihre Anliegen sehr konkret – und es wurde aufmerksam zugehört und notiert.
Die Beleuchtung spielt dabei eine entscheidende Rolle. Viele Menschen berichten, dass einige Bereiche nachts so dunkel sind, dass sie diese Wege meiden.
Fachleute erklärten direkt vor Ort, welche Maßnahmen möglich sind und wo bauliche Gegebenheiten Grenzen setzen. Nicht jede Lampe kann beliebig versetzt oder ergänzt werden, etwa wenn Wohnungen direkt daneben liegen. Klar wurde aber: Die Hauptwege sollen zuverlässig und ausreichend beleuchtet sein, und das ist größtenteils auch der Fall.
Gleichzeitig zeigten viele Bewohnerinnen und Bewohner großes Verständnis dafür, dass nicht jede Ecke sofort perfekt ausgeleuchtet werden kann. Denn im Schelmengraben gibt es unterschiedliche Zuständigkeiten: manche Wege gehören der Stadt, andere der GWH. Das macht die Planung manchmal etwas komplexer – doch alle Beteiligten arbeiten gemeinsam an Lösungen. Defekte Laternen oder schwaches Licht wurden ebenfalls aufgenommen. Die Reparaturen sollen zeitnah erfolgen.
Wer selbst defekte Lampen oder andere Probleme bemerkt, kann sie jederzeit über die MieterApp oder direkt bei der Firma Bischof melden.
Der zweite Rundgang: Mit der Polizei unterwegs
Eine Woche später fand der zweite Rundgang statt – mit Michael Miernik, dem Schutzmann vor Ort und seinem Kollegen PHK Schummer, der für Beleuchtung zuständig ist. Gemeinsam wurden die Ergebnisse aus dem ersten Rundgang noch einmal fachlich betrachtet.
Dabei ging es vor allem um folgende Punkte:
- Lichtstärken verbessern: Viele Lampen sollen künftig heller leuchten und einen weißen statt orangen Farbton bekommen.
- Verdeckte Laternen freischneiden: An manchen Stellen hängen Äste vor den Lampen, wodurch eigentlich gut beleuchtete Wege nicht genug Licht abbekommen.
- Falschparkende Autos: Ein Dauerthema im Quartier. Die Polizei trägt besonders schwierige Fälle weiter.
Der Austausch zeigte: Sicherheit entsteht nicht nur durch Technik, sondern vor allem durch Präsenz, Gespräche und regelmäßige Rückmeldungen aus der Nachbarschaft. Die Teilnehmenden machten die Polizei aktiv auf bestehende Angsträume aufmerksam. Jetzt prüft die Polizei diese Orte gezielt und entwickelt gemeinsam mit den Menschen vor Ort passende Lösungen.
Schutzmann vor Ort: Michael Miernik stellt sich vor
Michael Miernik arbeitet seit über 20 Jahren bei der Polizei, davon den größten Teil auf dem dritten Polizeirevier in Wiesbaden. Sein Aufgabenfeld ist vielfältig und reicht von Präventionsseminaren und Informationsangeboten über Verkehrssicherheit bis hin zur Arbeit mit Kindern und Schulen. Er selbst sagt: „Der Schutzmann vor Ort ist eine präventiv geprägte Tätigkeit. Sie macht mir viel Spaß, weil ich auch vermeintliche Kleinigkeiten angehen und den Menschen helfen kann.“ Seit gut anderthalb Jahren ist er auch für den Schelmengraben zuständig.
Für ihn ist es wichtig, ansprechbar zu sein. Ob auf der Straße, bei Gesprächen oder wenn jemand Sorgen hat. Besonders betont er, dass der Schelmengraben oft schlechter dargestellt wird, als er wirklich ist: „Ich nehme den Schelmengraben deutlich positiver wahr, als er extern oft eingeschätzt wird. Natürlich gibt es polizeilich relevante Sachverhalte, aber nicht mehr als in anderen Stadtteilen.“
Ein Teil seiner Arbeit findet in Schulen und Kindergärten statt, wo er über Verkehrssicherheit und polizeiliche Aufgaben spricht. Besonders am Herzen liegt ihm das Thema richtige Sicherung von Kindern im Straßenverkehr. Immer wieder wird er morgens auf falsch stehende Autos oder nicht angeschnallte Kinder aufmerksam. „Viele möchten ihre Kinder schützen, aber wenn sie nicht richtig gesichert sind, wird es schnell gefährlich. Da versuche ich aufzuklären.“
Auch bei Nachbarschaftsthemen vermittelt er häufig: „Ein gutes Gespräch kann viel verändern. Man muss nicht befreundet sein, aber ein respektvoller Umgang macht den Alltag leichter.“
Ein Blick nach vorn
Die beiden Rundgänge haben gezeigt, wie wichtig der Austausch im Schelmengraben ist. Viele Themen lassen sich nur im Zusammenspiel von Bewohnerinnen und Bewohnern, Wohnungsunternehmen, Stadt und Polizei lösen. Damit bleibt das Wichtigste: Sicherheit entsteht gemeinsam – durch Gespräche, Rückmeldungen und ein offenes Ohr füreinander.