„Eine Schule kann viel bewegen“ - Nils Nolte im Porträt

„Wir müssen wieder stärker dahin kommen, dass Lernen mit Kopf, Herz und Hand passiert – also nicht nur Wissen für Tests lernen, sondern Dinge erleben, ausprobieren und wirklich verstehen.“ Wer Nils Nolte zuhört, merkt schnell: Schule ist für ihn weit mehr als ein Ort zum Lernen. Sie ist ein Raum für Begegnung, für Kreativität und für Chancen. Seit gut eineinhalb Jahren leitet er die Alexej von Jawlensky Schule im Schelmengraben, eine Integrierte Gesamtschule, die im Quartier eine wichtige Rolle spielt.
Sein Weg hierher war alles andere als geradlinig – und genau das bringt heute viele Perspektiven mit in seine Arbeit.

Vom Musiker zum Schulleiter
Bevor Nils Nolte in die Schulleitung ging, arbeitete er zunächst als Tontechniker, Musikpädagoge und Umweltpädagoge. Sein Studium und die ersten beruflichen Stationen führten ihn in den Frankfurter Raum. Für das Referendariat ging er im Jahr 2000 an eine Schule in Frankfurt, bevor er 2002 nach Wiesbaden kam.
Viele Jahre arbeitete er an der IGS Kastellstraße, unter anderem in der Schulleitung und als Stufenleiter. Parallel unterstützte er als Schulentwicklungsberater andere Schulen. Mehr als zwei Jahrzehnte blieb er dort, bis sich eine neue Gelegenheit ergab. Nach einem Sabbatjahr fragte ihn schließlich seine heutige Vorgängerin Elvira van Haasteren, ob er sich vorstellen könne, die Leitung der Jawlensky Schule zu übernehmen. „Nach 22 Jahren an derselben Schule dachte ich: Jetzt ist vielleicht der richtige Moment für einen Wechsel“, erzählt Nolte. 

Heute ist er offiziell Schulleiter und fühlt sich angekommen.

Eine Schule mit besonderem Profil
Die Alexej von Jawlensky Schule wurde 2009 neu gegründet. Ziel war es damals, der Schule und dem Standort neuen Schwung zu geben. Heute ist sie eine Integrierte Gesamtschule mit Kulturschulprofil – eine von rund 50 Kulturschulen in Hessen. Das bedeutet: Kunst, Musik, Theater oder Tanz spielen im Schulalltag eine große Rolle. Für Nolte ist das kein Zusatzprogramm, sondern ein wichtiger Teil von Bildung. Viele Schülerinnen und Schüler erleben über die Schule erstmals kulturelle Orte der Stadt, etwa das Stadtmuseum, den Nassauischen Kunstverein oder das Literaturhaus. „Wenn die Kinder zum ersten Mal auf der Wilhelmstraße stehen oder ins Museum gehen, ist das für viele ein echtes Erlebnis“, sagt Nolte. „Da merkt man, wie wichtig solche Erfahrungen sind.“ Dabei geht es nicht nur ums Zuschauen: Die Jugendlichen gestalten Ausstellungen, sprechen Audioguides ein oder arbeiten an Kunstprojekten mit. Neben kulturellen Projekten setzt die Schule stark auf eigenständiges Lernen. In jedem Jahrgang gibt es Zeiten, in denen Schülerinnen und Schüler selbstorganisiert arbeiten können.
Nolte beschreibt seine pädagogische Idee mit einem bekannten Grundsatz: Lernen soll „mit Kopf, Herz und Hand“ stattfinden. Also nicht nur Wissen auswendig lernen, sondern Dinge erleben, ausprobieren und verstehen. Das zeigt sich auch in Projekten außerhalb des Klassenzimmers – etwa Exkursionen oder Theaterwochen. In den höheren Klassen entwickeln ganze Jahrgänge eigene Theaterstücke, die am Ende öffentlich aufgeführt werden. Solche Momente gehören für Nolte zu den schönsten im Schulalltag:
„Wenn Schülerinnen und Schüler auf der Bühne stehen und Eltern, Mitschüler oder Gäste zuschauen dann sieht man, was Schule alles möglich machen kann.“

Eine Schule mitten im Quartier
Ein wichtiger Teil seiner Arbeit ist für Nolte auch die Vernetzung im Schelmengraben. Die Schule arbeitet mit vielen Einrichtungen im Stadtteil zusammen – etwa mit dem Stadtteilzentrum, Kindergärten oder lokalen Initiativen. Auch Praktika, Projekte oder gemeinsame Veranstaltungen verbinden Schule und Quartier. Besonders beeindruckt ist der Schulleiter von dem Engagement vieler Familien. Einige unterstützen die Schule ganz selbstverständlich, zum Beispiel bei Veranstaltungen oder Projekten. „Hier gibt es eine starke Gemeinschaft“, sagt Nolte. „Viele Menschen identifizieren sich mit dem Schelmengraben und engagieren sich füreinander.“ Die Nachfrage nach der Schule wächst: In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Anmeldungen deutlich gestiegen. Für Nolte ist das ein Zeichen dafür, dass das Konzept funktioniert.

Sein Ziel bleibt klar: Die Schule weiterzuentwickeln. Und zwar gemeinsam mit Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern, Eltern und dem Quartier.

Denn für ihn gehört Schule immer auch zum Leben im Viertel dazu: „Eine Schule kann viel bewegen“, sagt er. „Vor allem dann, wenn sie offen ist für ihre Umgebung.“